Pascal Beyer –
Schranz ist zurück. Und er auch.
Es gibt DJs, deren Karrieren wie am Reißbrett entworfen wirken. Und es gibt Biografien wie die von Pascal Beyer.
Seine Geschichte ist keine gerade Linie, sondern eine emotionale und oft steinige Odyssee durch drei Jahrzehnte elektronische Musik.
Sie erzählt von der obsessiven Suche nach dem eigenen musikalischen Zuhause, von schmerzhaften Kompromissen, dem Mut zum Neuanfang und der späten, uneingeschränkten Selbstbestimmung hinter den Decks.
Artist Back · Pascal Beyer
- Künstlername: Pascal Beyer
- Herkunft: Wiesbaden / Saarland
- Genres: Schranz · Hardtechno · Oldschool Techno
- Einflüsse: 90er Rave · Hardcore · Goa / Psytrance
- Prägende Station: U60311 Frankfurt
- Weitere Stationen: Sunshine Live · RaveBus · Electronic Waldgeflüster · Camp Wutz
- Projekt: Dusty Electronic Records
- Besonderheit: kompromissloser Sound und musikalische Selbstbestimmung
Vom U60311 auf die Tanzfläche
Ende der 90er: Als elektronische Musik zur persönlichen Leidenschaft wurde
Geboren 1983 und aufgewachsen in Wiesbaden, geriet Pascal Beyer schon früh in den Sog der aufstrebenden elektronischen Musikszene.
Es war eine Zeit vor Smartphones und Social Media – eine Ära, in der Musik noch durch physische Präsenz, Schweiß und Ekstase erlebt wurde.
Mit 16 Jahren feierte er seine ersten prägenden Clubnächte im Euro Palace in Mainz-Kastel, mit 17 im Palazzo in Bingen.
Sein absoluter Herzensclub wurde schließlich das U60311 in Frankfurt.
Dort entwickelte sich etwas, das seine spätere Identität als Künstler prägen sollte. Auf der Tanzfläche verlor er sich komplett in der Musik. Sein eigener Tanzstil entwickelte sich intuitiv – eine Form des „Schranzens“, lange bevor der Begriff „Shuffle“ den heutigen Kulturwortschatz prägte.
Als er Ikonen wie Sven Väth, Chris Liebing und vor allem DJ Rush erlebte, veränderte sich sein Wunsch.
„Ich wollte nicht mehr nur auf der Tanzfläche stehen. Ich wollte diese Musik selbst machen.“
— Pascal Beyer
Vinyl, 180 BPM und die ersten Clubs
Bereits mit 15 Jahren hatte Beyer begonnen, das Auflegen zu üben – zunächst bei einem Freund, später mit einer eigenen Anlage, die er sich mühsam zusammengespart hatte.
Es war die kompromisslose Ära des rein analogen Auflegens: schwere Plattentaschen, Plattenkisten und keine digitalen Helferlein.
Sein musikalischer Horizont war dabei von Anfang an breit gefächert. Er sog Hardcore- und Happy-Hardcore-Klänge von Thunderdome, psychedelische Welten von Goa Head sowie Acid, Trance und Schranz in sich auf.
Als DJ sammelte er erste Live-Erfahrungen in Clubs wie dem Qu in Rüdesheim, dem Aita in Mainz, dem StarClub in Bad Kreuznach und dem Memory in Oberwesel.
Schon damals zeigte sich sein Hang zu besonders harten Sets. Während sich Teile der Clubkultur zeitweise in Richtung Minimal und ruhigerer Klänge bewegten, trieb Beyer konsequent in die andere Richtung.
Seine Schranz-Sets bewegten sich regelmäßig bei 170 bis 180 BPM. Wenn er die Kontrolle abgab, ging es bis hin zu Terror und Speedcore.
Wenn der eigene Sound plötzlich nicht mehr ins Booking passt
Die Phase der musikalischen Anpassung
Weil Beyer mit seinen harten Sets bei manchen Bookings aneckte, begann eine schwierige Phase des musikalischen Verbiegens.
Auf der Suche nach Akzeptanz und Auftritten spielte er Tech-House, Electro und Minimal – Musik, die er zwar intellektuell schätzte, hinter der er als Künstler aber nie ganz stand.
Die Konsequenz war frustrierend. Hinter den Decks fühlte er sich unwohl, insbesondere dann, wenn der Sound für ihn zu zahm wurde.
Die Musik war ihm schlicht zu langsam geworden.
Auch erste Demo-CDs, die er an DJs und Clubs verschickte, blieben häufig unbeantwortet.
Es gab allerdings wichtige Lichtblicke: Durch die Unterstützung von Felix Kröcher und DJ Falk schaffte er es 2007, in der legendären Sendung „Hire and Fire“ bei Sunshine Live aufzulegen.
Auch als Resident und Streamer für BrainFuckingBeatz.de machte er sich einen Namen.
Vertrieb, Umzug ins Saarland und DJ Contaminator
Das echte Leben forderte seinen Tribut.
Um beruflich voranzukommen und sich eine Existenz aufzubauen, stieg Beyer voll in den Vertrieb ein. Diese Jahre kosteten ihn wertvolle Zeit für die Musik.
2010 folgte der berufliche Umzug ins Saarland – geografisch ein kompletter Schnitt zur bisherigen Rhein-Main-Szene.
Musikalisch führte ihn diese erste kreative Pause in völlig neue und düstere Gefilde. Er entdeckte die Gothic- und Cyber-Szene sowie Dark Electro.
Doch der Ruf der extremen Härte holte ihn wieder ein.
Unter dem Pseudonym DJ Contaminator kehrte er zurück, tauchte tief in die Welt von Darkcore, Terror und Speedcore ein und begann erstmals ernsthaft zu produzieren – unter anderem mit Releases bei Speedcore Worldwide.
Die klassische Vinyl-Ära war zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei. Stattdessen legte er digital mit Controller und Laptop auf.
In der Speedcore-Szene fand Pascal Beyer erstmals eine verschworene, familiäre Community, die seine kompromisslose Härte teilte.
Doch Speedcore blieb eine extreme Nische. Das Kapitel endete – und das DJing landete erneut im Eis.
Der Umweg über die Kamera
Wenn Musik plötzlich zur Frage nach der eigenen Identität wird
Es folgte eine zweite, tiefgreifende Pause – diesmal nicht wegen des Berufs, sondern durch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst.
Zweifel, Rückschläge, das Gefühl des Scheiterns und die Frage, ob er überhaupt noch als DJ in diese Welt passte, nagten an ihm.
Online sah er andere DJs an sich vorbeiziehen. Das löste alte Wunden und das schmerzhafte Gefühl von Neid und Frustration aus.
Um die Musik dennoch am Leben zu halten, gründete er gemeinsam mit einem Freund das Projekt Dusty Electronic Records.
Da der klassische Clubbetrieb stockte, krempelte er die Ärmel hoch und entdeckte eine neue Leidenschaft: Kameratechnik, Film, Videoschnitt und Social-Media-Marketing.
Er filmte Streams, produzierte Aftermovies und brachte andere DJs über Twitch ins Netz.
Er wurde zum Kameramann im Hintergrund.
Was wie eine Entfremdung von der Musik aussah, entwickelte sich zu wertvollem Know-how in Vertrieb, Medienkompetenz und Selbstvermarktung.
Genau diese Fähigkeiten sollten später für sein eigenes Comeback von unschätzbarem Wert sein.
Der zweite Frühling des Techno
Schranz war wieder da – und Pascal Beyer war bereit
Als nach der Pandemie die elektronische Musikszene explodierte und Techno eine massive, härtere Renaissance erlebte, passierte das, worauf Beyer jahrelang gewartet hatte:
„Schranz war wieder da.“
Der Begriff hatte sich zwar gewandelt, aber das Gefühl war geblieben.
Diesmal beschloss Pascal Beyer: Keine Kompromisse mehr.
Er baute seine Präsenz als Pascal Beyer komplett neu auf – mit der Lebenserfahrung der vergangenen Jahre, dem technischen Medienwissen von heute und seiner kompromisslosen Liebe zum Sound.
Der Durchbruch des Comebacks folgte im RaveBus, wo er einen DJ-Contest gewann.
Durch den engen Anschluss an die saarländische Szene – insbesondere durch Chris van Neu und Deborka – fand er wieder eine echte musikalische Heimat.
Auftritte beim Electronic Waldgeflüster und im Camp Wutz folgten.
Endlich den Sound spielen, hinter dem man wirklich steht
Die wichtigste Veränderung des Comebacks liegt nicht allein in den neuen Möglichkeiten der elektronischen Musikszene.
Sie liegt vor allem in der Haltung.
„Ich versuche nicht mehr, meinen Musikgeschmack an das anzupassen, was vielleicht besser funktionieren könnte. Ich möchte den Sound spielen, hinter dem ich wirklich stehe.“
— Pascal Beyer
Heute steht Pascal Beyer dort, wo er immer hinwollte.
Er ist kein blutiger Anfänger mehr, aber auch kein Oldie im Ruhestand. Er verbindet den Druck des modernen Schranz mit den unsterblichen Einflüssen seiner musikalischen Reise.
Er musste sich durchbeißen. Viele Umwege, Pausen, Rückschläge und musikalische Richtungswechsel liegen hinter ihm.
Die eigene musikalische Identität nicht länger verstecken, sondern genau den Sound spielen, hinter dem man selbst steht.
Manchmal muss man Umwege gehen, um bei sich selbst anzukommen
Die Geschichte von Pascal Beyer ist vor allem eine Geschichte über musikalische Identität.
Von den ersten prägenden Nächten im U60311 über Vinyl, 180 BPM und Speedcore, über musikalische Anpassungsversuche, berufliche Veränderungen und persönliche Krisen bis hin zum heutigen Comeback zieht sich ein roter Faden:
Die Suche nach dem eigenen Sound.
Nicht jede Phase war erfolgreich. Nicht jeder musikalische Weg fühlte sich richtig an. Und nicht jede Pause war freiwillig.
Doch gerade die Umwege brachten Erfahrungen mit sich, die Pascal Beyer heute für sein Comeback nutzen kann – von Vertrieb über Medienarbeit bis hin zu Social Media und Selbstvermarktung.
Heute verbindet er die Energie des modernen Schranz mit den Einflüssen seiner langen musikalischen Reise.
„Man muss sich nicht verbiegen, wenn man den Mut hat, man selbst zu sein.“
— Pascal Beyer
Artist Back · Pascal Beyer
- Künstlername: Pascal Beyer
- Genres: Schranz · Hardtechno · Oldschool Techno
- Musikalische Einflüsse: 90er Rave · Hardcore · Goa/Psytrance · Schranz-Golden-Era
- Wichtige Stationen & Venues: U60311 Frankfurt · Sunshine Live · RaveBus · Electronic Waldgeflüster · Camp Wutz
- Weitere Projekte: Dusty Electronic Records · DJ Contaminator
- Herkunft: Wiesbaden / Saarland
- Redaktion: StageCore Magazin by Eventservice Hiller
Das gesamte Team des StageCore Magazin by Eventservice Hiller bedankt sich von ganzem Herzen für die fantastische Zusammenarbeit, die Offenheit und das entgegengebrachte Vertrauen.
Es ist uns eine Ehre, diese inspirierende Reise und das starke Comeback auf diese Weise begleiten zu dürfen.
Auf viele weitere gemeinsame Meilensteine in der elektronischen Musikszene!
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